Auf dieser Seite fassen wir die Geschichte des Isarplan Abschnitt III zwischen Braunauer Eisenbahnbrücke und Deutschem Museum zusammen, der teilweise auch unter dem leicht irreführenden Namen Isar-Renaturierung bekannt ist und nach teilweise massiven Interventionen der Auer und Haidhauser BürgerInnen und des BA5 zu einem anfangs kaum mehr erhofften, überwiegend guten Ende gefunden hat.

2011: Abschluss Bauarbeiten

Im Mai 2011 finden Abschlussarbeiten um die kleine Isar statt, über die nächsten Jahre muss beobachtet werden, ob die Modellberechnungen sich in der Realität bewähren

Ende 2009: Stadtratsbeschluss letzter Bauabschnitt

Am Dienstag, den 8. Dezember 2009 beschließt der Bauauschuss den letzten Abschnitt der Renaturierung zwischen Reichenbachbrücke und Deutschem Museum. Nördlich der Weideninsel soll der Fluss aufgeweitet werden, die Kleine Isar erhält einen eigenen Zufluss. Ufer und Brückenpfeiler werden mit viel Gestein befestigt, Sitzstufen laden zum Niederlassen ein. Die Bauarbeiten sollen Ende 2010 beginnen und im Sommer 2011 abgeschlossen sein.

April 2009: Antrag Stadtratsfraktion "Urbanes Flair an der Isar"

Im April 2009 bittet die Grüne Stadtratsfraktion die Verwaltung in einem Antrag um Überprüfung, wie die Isar zwischen Wittelsbacher- und Luitpoldbrücke besser in die Innenstadt einbezogen werden kann. Vorgeschlagen werden Ergänzungen und Aufwertungen der gastronomischen Angebote zum Beispiel an den bestehenden Kiosken, am Vater-Rhein-Brunnen, vor allem auch im Bereich der Freiflächen des Deutschen Museum im Zuge der anstehenden Sanierung. Nachdrücklich wird aber auch gefordert, das nicht naturierte Westufer durch Ausblickmöglichkeiten wie etwa Stadtbalkone zu optimieren.

2009: Bauabschnitt Wittelsbacher-/Reichenbachbrücke - Modellversuch Übergang Kleine Isar

Im Winter und Frühjahr 2009 ist der Bauabschnitt zwischen Wittelsbacher- und Reichenbachbrücke an der Reihe. Um die Weideninsel wird ein neuer Flussarm ausgebaggert, das neue Ufer mit Steinquadern und Stufen befestigt. Heikel bleibt die Planung des Schlussabschnitts um das Deutsche Museum. Der langwierige Modellversuch, wie der Zufluss zum Biotop Kleine Isar optimal zu gestalten ist, um eine übermäßige Ablagerung von Sand und Kies zu verhindern, ist noch nicht abgeschlossen. Die Fertigstellung wird sich wohl bis 2011 verzögern.

Mai 2008 - Abschnitt bis Wittelsbacherbrücke fertig gestellt

Der Abschnitt zwischen Braunauer Eisenbahnbrücke und Wittelsbacherbrücke wird fertig gestellt. Nördlich der Reichenbachbrücke beginnen massive Vorarbeiten zur Umverlegung einer Abwasserleitung.

Laut SZ-Bericht vom 23. Mai 2008 sind die Projektleiter Stephan Kirner (Wasserwirtschaftsamt) und Daniela Schaufuß (Baureferat) zufrieden mit dem größeren Wechselspiel zwischen Land und Wasser, das die bisher größte Bewährungsprobe mit dem Jahrhunderthochwasser im August 2005 bestens bestanden hat. Seitenarme, Sand- und Kiesbänke verändern sich, werden überspült, bilden sich neu, Pflanzen und Tiere erhalten neue Lebensräume.

Wasserkraftwerk Praterinsel

Im August 2007 macht das Wasserkraftwerk, das von Green City und Stadtwerken gemeinsam geplant und betrieben werden soll - Betriebsbeginn ist für Mai 2009 vorgesehen - Schlagzeilen (vgl. SZ vom 16.08.07). Die Isar-Allianz befürchtet, dass die nach der Renaturierung festgeschriebene Wassermenge der Kleinen Isar verringert wird, sollte sich herausstellen, dass das Kraftwerk mit dem Wasser der großen Isar nicht rentabel betrieben werden kann, und die Kleine Isar, das "Herzstück der Renaturierung", "zu einem Rinnsal verkommt", so Ulrike Lorenz vom Landesbund für Vogelschutz. Die Planer wiegeln ab: Der Abzweig in die Kleine Isar sei nach der Renaturierung nicht regulierbar, sagen unisono Prof. Markus Aufleger (Leiter Modellversuch) und Klaus Arzet (Leiter Wasserwirtschaftsamt München). Stephan Schwartz (SWM Geschäftsführer Versorgung und Technik) betont, dass die Wassermengenvorgaben bekannt und in die Wirtschaftlichkeitsrechnung des Kraftwerks bereits eingeflossen seien.

Neuer Isarplan

Der neue Plan löst sich von der bisherigen geradlinigen, rechteckigen Gestaltung. Es werden nunmehr Wasserbausteine verwendet wo möglich und die hohe Mauer unter der Corneliusbrücke fällt weg. Somit stellt die neue Planung eine deutliche Verbesserung gegenüber den bisherigen Planungen dar.

Betonterrasse geplant?

Im Dezember 2005 macht die Isar-Renaturierung wieder Schlagzeilen. In der Süddeutschen Zeitung vom 20. Dezember werden Planungen für den Bereich der Kleinen Isar veröffentlicht, die in Absprache beider Planungsbüros entstanden seien, die Erkenntnisse aus dem Augusthochwasser berücksichtigen, aber nicht dem vom Stadtrat verabschiedeten Kompromiss entsprechen. Der Bezirksausschuss kritisiert in seiner Dezember-Sitzung besonders die vom Baureferat „Flussbalkon“ genannte „unorganisch in den Talraum hineingeschobene Betonterrasse“ im rechten Winkel zum Corneliuswehr. Die Verwaltung stellt kurz darauf klar: „Ein noch nicht geprüfter, bedauerlicherweise in der Abstimmungsphase veröffentlichter Arbeitsplan erweckte den Eindruck, die Planer des Wasserwirtschaftsamts und der Stadt hätten zusammen mit den beauftragten Büros ein neues Konzept entwickelt, das sich deutlich von dem genehmigten Entwurf entfernt. Das ist nicht der Fall“. Vielmehr sei es nur eine von mehreren Planungsvarianten, die derzeit diskutiert würden, und noch in längeren Modellversuchen auf Vor- und Nachteile und die Kosten geprüft werden müssten. Im Übrigen seien die EU-Fördergelder für die Bauphase wegen der vielen Verzögerungen nun verlorengegangen, die wären aber lediglich dem Finanzierungsanteil des Freistaats zugute gekommen.

Wieder mal: Die Isar - Der Mensch schützt das Biotop, aber die Natur schont es nicht

Beitrag zum Augusthochwasser 2005 aus dem Stadtrundbrief der Münchner Grünen 09/2005

Uh oh, jemand hätte der Isar sagen sollen, was Stadtrat und Grüne beschlossen haben: Schutz des Biotops Kleine Isar durch Erhalt des Corneliusstreichwehrs. Jetzt hat sie doch einfach den alten Auer Traum erfüllt, das Wehr „entfernt“ und sich so daran gemacht, die Flora und Fauna der Schotterbänke unterschiedlichen Alters in der Kleinen Isar auf das Sukzessionsstadium Pioniervegetation zurückzusetzen. Ist halt doch ein dynamischer Wildfluss. Dr. Peter Jürging (Verein zum Schutz der Bergwelt): „Aus menschlicher Sicht betrachtet sorgt diese Dynamik zwar immer wieder für Zerstörungen, aus ökologischer Sicht sorgt sie aber immer wieder u.a. durch Erosion, Umlagerung und Sedimentation von Schotterbänken für die an unseren Gebirgsflüssen selten gewordenen Pioniersituationen.“ Wir freuen uns, dass wir diese Dynamik nun mitten in der Stadt erleben dürfen und hätten sie gerne nicht nur bei Jahrhunderthochwasser. Doch inzwischen ist das Wehr wieder aus den Fluten aufgetaucht, und wird nach den aktuellen Planungen demnächst sogar verlängert. Dann ist das Biotop wieder vor der Isar sicher, und das Gartenbauamt und – so er ebenfalls wieder auftaucht – der Biber müssen sich daran machen, für Ordnung im Biotop zu sorgen (zumindest ersteres hält sich an Beschlüsse). Die Au träumt weiter ...

 

Stadtrat stimmt für Kompromisslösung

Am 8. März 2005 stimmt der Münchner Stadtrat mit den Stimmen von Grünen, SPD und CSU für die vom Baureferat erarbeitete Kompromisslösung.

 

Interview Isar-Allianz Februar 2005: "Unsere Fachleute wurden ignoriert"

In der Süddeutschen Zeitung vom 18. Februar 2005 beklagen sich die Biologen Nikolaus Döring und Franz Sedlmeier von der Isar-Allianz über mangelnde Einbindung bei der Erstellung der Beschluss-Vorlage durch Baureferat und Wasserwirtschaftsamt. Franz Sedlmeier: „Es ist ein ständiger Kampf, in diese Entscheidungsprozesse eingebunden zu werden. Mit viel Mühen und Unterstützung der Bezirksausschüsse wurde das Mediationsverfahren im vergangenen Sommer gemacht. Es hieß, man wolle die Wünsche der Fachleute und Bürger umsetzen. Und jetzt hat sich die Verwaltung wieder ins stille Kämmerlein gesetzt und den letzten Abschnitt entwickelt.“ Nikolaus Döring: „Es sind viele Fehlentscheidungen getroffen worden. In der Isar-Allianz gibt es jede Menge Fachleute für bestimmte Teilbereiche, die ihr einmaliges Wissen bisher umsonst eingebracht haben. Selbst wenn es abgefragt wurde, wurde es hinterher missachtet oder nicht fachgerecht eingearbeitet. Solche Beispiele könnte ich in Serie berichten.“ Auf die Frage, was im Gegenzug für die Tolerierung des Streichwehrs versprochen wurde, antwortet Franz Sedlmeier: „Dass die ökologische Durchgängigkeit des Flusses gewährleistet ist, also dass Fische und Kleinlebewesen sich flussauf- und –abwärts bewegen können. Dafür ist die Entfernung mehrerer Wehre erforderlich. Im Herbst schien es außer Frage, dass das auch passieren wird, vor allem an der Wittelsbacher Brücke. Dort ist die Betonstufe ein Meter hoch. In der Kompromiss-Lösung ist dafür überhaupt kein Geld vorgesehen.“

11. Februar 2005: Sondersitzung Bezirksausschuss

Rechtzeitig vor der von Februar auf März verschobenen Entscheidung in der Stadtratsvollversammlung setzt der Bezirksausschuss Au-Haidhausen eine Sondersitzung zur Isarrenaturierung an. Man stellt fest, dass 80 Prozent der aktuellen Planung des Renaturierungsabschnitts zwischen Braunauer Eisenbahnbrücke und Deutschem Museum unstrittig sind, mit der Umsetzung unverzüglich begonnen werden könne: „Grundsätzlich neue Planungen sind nicht erforderlich, und es schließt sich kein Zeitfenster der Finanzierung und Realisierung.“

Gegen die Stimmen der CSU- und des FDP-Vertreters verabschiedet der Bezirksausschuss die Forderung, „bei der Untersuchung der Machbarkeit (...) mit gleicher Intensität die naturnahe Variante ‚Abbruch des Corneliuswehrs’ mit Einrichtung eines Inseldeltas im Übergang zur Kleinen Isar“ zu behandeln. Als Argumente gegen diese Forderung werden die höheren Kosten von Euro 1,3 Mio. angeführt, außerdem die befürchteten Regressansprüche des 1. Preisträgers und die Gefährdung der EU-Fördergelder bei weiterer Verzögerung des Baubeginns. Außerdem sei der 2. Preisträger im Bereich der Kleinen Isar laut Dr. Klaus Arzet, Leiter des Wasserwirtschaftsamts, „zu attraktiv“ für die Bürger, der Besucherdruck könne die ökologische Qualität der Kleinen Isar gefährden.

Bürgerversammlung Au 2005

Bei der Bürgerversammlung in Haidhausen hatte die Vertreterin des Baureferats behauptet, bei der Realisierung des Entwurfs Jerney mit Abriss des Streichwehrs würde der Englische Garten austrocknen und die Au bei Isarhochwasser überflutet. Trotz gelegentlicher Spannungen zwischen den beiden Stadtteilen wollten das die Haidhauser ihren Auer Mitbürgern dann doch ersparen und stimmten gegen einen Antrag, in dem der Abbruch des Streichwehrs gefordert wurde.

Bei der Bürgerversammlung in der Au wenige Tage später fasste Heinz-Peter Meyer von der Auer SPD den aktuellen Diskussionsstand zusammen: Sämtliche Argumente der Verwaltung seien unglaubwürdig. Fehler in der Ausschreibung könnten nicht dazu führen, dass gegen den seit Jahren immer wieder aufs Neue erklärten Bürgerwillen gehandelt wird. Die Behauptungen der Verwaltung auf der Haidhauser Bürgerversammlung seien eine „unverfrorene Manipulation“. Mit großer Mehrheit nahm die Versammlung seinen Antrag an, das Insel-Delta aus dem Entwurf „Jerney“ umzusetzen.

Bürokratisch gesehen gehören die Hochwasserwiesen am Isar-Ostufer zum Stadtbezirk 2, Ludwigvorstadt-Isarvorstadt, sie bessern dort seit der Stadtbezirksreform 1991 die Erholungsgebiet-Statistik auf. Ein Antrag auf Rückgabe der Wiesen an die Au wird beinahe einstimmig angenommen.

Beschlussvorlage Baureferat

Im Dezember 2004 legt das Baureferat eine über 70-seitige Beschlussvorlage für den Stadtrat vor, die im Wesentlichen der in der Auer Einwohnerversammlung umrissenen Kompromisslösung entspricht. Für den umstrittenen Bereich zwischen Reichenbach- und Corneliusbrücke ist der Erhalt des Wehrs vorgesehen, allerdings soll es nicht verlängert werden, wie im Entwurf Burkhardt vorgesehen. Die Durchgängigkeit zur kleinen Isar soll durch einen neu geschaffenen Flussarm hergestellt werden. Und damit kehrt das Baureferat zum Planungsstand zurück, mit dem man allerseits nicht so recht zufrieden war. So dass man auf die Idee kam, einen Wettbewerb auszuschreiben ...

November 2004: Isar-Allianz toleriert Corneliuswehr

Die Isar-Allianz überrascht mit der Mitteilung, dass sie mit dem Erhalt des Corneliuswehrs leben könne: „Nach interner Abstimmung innerhalb der Isar-Allianz und nach Abwägung der von Ihnen dargelegten Argumente stimmen wir einer Überarbeitung des Planungsabschnittes unterhalb der Reichenbachbrücke entgegen des Entwurfes der Arbeitsgruppe Jerney/EDR zu. (...) Das Belassen des Corneliusstreichwehres ist keine gute Lösung. Da aber gewichtige Kostenargumente dafür sprechen und auch das Inseldelta keine in jeder Hinsicht überzeugende Lösung ist, kann die Isar-Allianz den Erhalt des Wehres tolerieren.“

Gutachten Corneliuswehr

Alle am Mediationsverfahren beteiligten Gruppierungen haben für den Gewinner des zweiten Preises plädiert. Dieser sieht keinen Komplettabriss des Corneliuswehrs vor, vielmehr soll es unterhalb der Wasseroberfläche erhalten bleiben. Zweifel werden laut, ob das über 100 Jahr alte Bauwerk für eine solche Behandlung stabil genug ist. Ein Gutachten muss her, Ergebnis: Gerade weil das Wehr so stabil ist, wäre ein Abriss unsinnig. Professor Dr.-Ing. Schweitzer: „Der Bauwerksbeton ist in gutem Zustand mit einer hohen inneren Festigkeit. Der praktisch zeitlos beständige Granit sichert die Überlaufkante zum Unterwasser. Der in den Bohrungen gemessene Wasserspiegel, der der Druckhöhe des Unterwassers entspricht, zeigt, dass die oberwasserseitige Abdichtung durch Spundwände wirksam ist. Damit gibt es nach unserer Auffassung keine Zweifel an der Erhaltungswürdigkeit des Bauwerks. Ein Grund für einen Abriss ist aufgrund der Untersuchungsergebnisse nicht gegeben. Als Nachweis für die Erhaltungswürdigkeit kann man auch die Tatsache werten, dass selbst das extreme Pfingsthochwasser 1999 keine gravierenden Schäden am Wehr verursacht hat.“

Einwohnerversammlung am 14. Oktober 2004: Baureferat stellt Kompromisslösung vor

Ralf Wulf stellt bei einer Einwohnerversammlung zur Isar-Renaturierung die Umrisse einer vom Baureferat erarbeiteten Kompromisslösung vor. Die vor allem deswegen nötig ist, weil das Planungsbüro Burkhardt als Wettbewerbsgewinner Anspruch darauf hat, mit der Umsetzung beauftragt zu werden, Rechtsstreitigkeiten und Schadensersatzprozesse aber vermieden werden sollen, um die Planungen nicht weiter zu verzögern. Die Renaturierung soll in drei Abschnitte aufgeteilt werden: Zwischen der Braunauer Eisenbahnbrücke und der Wittelsbacher Brücke unterscheiden sich die Planungen Burkhardt und Jerney kaum, deswegen soll dort Burkhardt mit der Umsetzung beauftragt werden. Um den zweiten Abschnitt bis zur Reichenbachbrücke soll sich Jerney kümmern, dessen Lösung mit einem Isarnebenarm und einer Weideninsel von den Bürgern bevorzugt wird. Wie der Abschnitt ab der Reichenbachbrücke bis zum Deutschen Museum gelöst wird, ist noch nicht entschieden. Zur Zeit werde ein Gutachten zu Kosten und Gefahren eines Abbruchs des Corneliuswehrs erstellt. (Im Rahmen seiner Präsentation zeigt er auch eine mit Jerney abgestimmte Simulation des Inseldeltas bei Niedrigwasser: Von Betonpfeilern keine Spur). Auf keinen Fall würde das Wehr verlängert, wie ursprünglich in der Planung Burkhardt vorgesehen. Wie von vielen Seiten gewünscht soll die Isar aber auf jeden Fall biologisch durchgängig werden, gedacht sei etwa an eine neue Verbindung von der großen in die kleine Isar, genannt „Corneliusflussarm“.

Die anwesenden Einwohner sprechen sich in einem Beschluss mit großer Mehrheit für die Inseldelta-Lösung aus dem Haus Jerney und damit für den Abriss des Corneliuswehrs aus. Heinz-Peter Meyer von der Auer SPD: „Langsam wird es für die Bürger unerträglich, wenn ihr klar formulierter Wille ständig missachtet und unterlaufen wird.“

OV-Exkursion an die Kleine Isar im September 2004

Matthias Luy (Landesbund für Vogelschutz, Leiter der Bezirksgeschäftsstelle Oberbayern) nimmt nicht nur in einem Beitrag für den Grünen Stadtrundbrief September 2004 Stellung zur Entscheidung der Grünen Stadtversammlung, er stellt seine Fachmeinung interessierten Grünen bei einem Ortstermin an der Kleinen Isar am 8. September vor. Keiner der persönlich eingeladenen Grünen Stadträte ist anwesend.

Stellungnahmen der Naturschutzverbände

Der OV Au-Haidhausen bittet die am Mediationsverfahren beteiligten Naturschutzverbände um Stellungnahmen zur Entscheidung der Stadtversammlung:

Dr. Peter Jürging (geschäftsführender Vorsitzender des Vereins zum Schutz der Bergwelt e.V.):

„Beide Wettbewerbsentwürfe stellen ausgezeichnete Leistungen dar. Allerdings hat der erste Preisträger die Auslobungsunterlagen zu diesem Wettbewerb, also mehr Naturnähe, nicht ausreichend berücksichtigt. Deshalb bevorzugt der Verein zum Schutz der Bergwelt e.V. eindeutig den Entwurf der Zweitplazierten.

Zwei Punkte im Auslobungstext waren für uns von besonderer Bedeutung. Zum einen die sogenannte biologische Durchgängigkeit (verbesserte Migrationsmöglichkeiten für Fische und Vertreter des Makrozoobenthos) und eine verbesserte Möglichkeit zur Geschiebeweitergabe. Wenn das Corneliusstreichwehr bestehen bleibt, kann sich die Situation wohl kaum verbessern und es bleibt alles beim Alten. Das Corneliusstreichwehr zu schleifen stellt allerdings eine große wasserbauliche Herausforderung dar, auch, wie Sie ja bereits feststellten, für die Erlebbarkeit der Flusslandschaft (d.h., des Deltas bei verschiedenen Wasserführungen). Das Biotop "Kleine Isar" und deren Lebensgemeinschaften würden mehr Dynamik erfahren, was ja ein Merkmal dealpiner Flüsse ist. Aus menschlicher Sicht betrachtet sorgt diese Dynamik zwar immer wieder für Zerstörungen, aus ökologischer Sicht sorgt sie aber immer wieder u.a. durch Erosion, Umlagerung und Sedimentation von Schotterbänken (auch wenn der größte Gefällesprung unmittelbar am heutigen Corneliuswehr wohl massiv zu befestigen ist) für die an unseren Gebirgsflüssen selten gewordenen Pioniersituationen, auch in der Kleinen Isar. Auch die vielfach vorgebrachte Argumentation, dass nördlich der Praterinsel die biologische Durchgängigkeit und die Geschiebeweitergabe nicht befriedigend ist und somit eine Durchgängigkeit am Corneliuswehr nichts bringe, ist ein kurzfristiger Denkansatz. Jede Verbesserung in die richtige Richtung sollte wahrgenommen werden, da sicherlich auch die Situation der Isar im nördlichen Stadtbereich irgendwann eine Verbesserung erfahren kann und damit das Stadtgebiet für ans Wasser gebundene Organismen voll durchgängig wäre.“

 

Matthias Luy (Dipl.-Biologe, Landesbund für Vogelschutz):

„Es stimmt, dass sich die Umweltverbände einhellig und aus vielerlei fachlichen Gründen für den Entwurf Jerney ausgesprochen haben. Die Entfernung des Corneliuswehrs ist auch ein wichtiger Grund für die Bevorzugung des Entwurfs Jerney. Der Entwurf Jerney macht den gesamten Isarstrom durchwanderbar, was die biologische Qualität entscheidend steigert. Die behauptete Zerstörung des Biotops an der Kleinen Isar wird die Realisierung dieses Entwurfs nicht verursachen. Im Gefolge der befestigten Inseln werden sich nach wie vor sich umlagernde Kiesbänke bilden, aufgrund der erhöhten Wassermenge wird die Dynamik noch größer sein als bisher. Das Cornelius-Streichwehr hat mit dem Leitbild für die Isar rein gar nichts zu tun. Das ins Spiel gebrachte Argument, das Wehr hätte gar kulturhistorischen Wert und verdiene als technisches Bauwerk erhalten zu werden, grenzt in Zusammenhang mit der Isar-Renaturierung an Absurdität.“

Grüne Stadtversammlung Juli 2004

Viel Leben im Biotop Kleine Isar im Juli 2004

Auf der Stadtversammlung der Münchner Grünen am 21. Juli 2004 können die anwesenden Mitglieder zwischen zwei Anträgen entscheiden. Während Sabine Krieger im Namen der Grünen Stadtratsfraktion dafür eintritt, das Ergebnis des Mediationsverfahrens zwar zu respektieren, allerdings ein Biotop um die Kleine Isar erkennt, das nur durch den Erhalt des Streichwehrs erhalten werden könne (Antrag Stadtratsfraktion), plädieren Mitglieder aus Au-Haidhausen und der Grünen Jugend für eine umfassende Umsetzung des Entwurfs „Jerney“, da sich alle maßgeblichen Interessensgruppen - auch die Vertreter der verschiedenen Naturschutzorganisationen - im Mediationsverfahren dafür ausgesprochen haben (Antrag).

In ihrer Präsentation verwendet Sabine Krieger eine Projektion aus dem Baureferat, wie das „Jerney“-Inseldelta bei Niedrigwasser aussehen werde (massive Betonquader á la Berliner Holocaustmahnmal). Markus Viellvoye, Pressesprecher der Stadtratsfraktion, beschimpft die Befürworter des Entwurfs „Jerney“ als Gegner von Natur in der Stadt.

Der Antrag der Stadtratsfraktion wird mit deutlicher Mehrheit angenommen.

Mediationsverfahren Juli 2004

Ursprünglich war die vertiefte Überarbeitung der Planungen der Büros Burkhardt und Jerney nach den Vorgaben der Verwaltung für September 2003 angekündigt, doch erst im April 2004 werden sie vorgelegt. Nun vergleicht ein Gutachten die beiden Varianten insbesondere im Hinblick auf Realisierbarkeit und ökologische Auswirkungen. Mitte Juni 2004 werden die Unterlagen dem Stadtrat, dem Bezirksausschuss und den weiteren am Mediationsverfahren beteiligten Gruppierungen und Verbänden (Wasserwacht, Umweltschutzverbände, Sportvereine, Fischereiverband) vorgestellt. In einer Sitzung am 2. und 3. Juli treffen sich Vertreter aller Gruppierungen zum Mediationsverfahren und nehmen Stellung zur Frage, ob und in welchen Punkten sie Entwurf Burkhardt oder Entwurf Jerney bevorzugen. Es stellt sich heraus, eine Mediation ist gar nicht nötig, einstimmig wird der Entwurf Jerney bevorzugt. Er wird als naturnäher, ökologischer, sicherer und für die Anwohner attraktiver bewertet. Die Wasserwacht hält nicht nur die Baderinne im Entwurf Burkhardt für sehr riskant für Kleinkinder, sie spricht sich auch für den im Entwurf Jerney vorgesehenen Abriss des Corneliuswehrs aus. Umwelt- und Fischereiverbände sehen nur im Entwurf Jerney die lange geforderte biologische Durchgängigkeit für Fische und Kleinlebewesen verwirklicht, den darin geplanten Abriss des Corneliuswehrs begrüßen sie ausdrücklich. Natur würde in Zentrumsnähe für die Anwohner ganzjährig erlebbar gemacht. Angeregt wird unter anderem auch, das sogenannte Freibadbächl wie bei Jerney vorgesehen zu öffnen.

Konsensverfahren oder Runder Tisch

Die Stadt schlägt zur Lösung des Streits um die Isarrenaturierung einen Runden Tisch vor. Die Vorsitzenden der Bezirksausschüsse in den betroffenen Stadtteilen Au-Haidhausen, Altstadt-Lehel und Untergiesing-Harlaching bestehen allerdings auf einem Konsensverfahren mit einem neutralen Moderator als Schlichter. Die Befürchtung, dass sich das Projekt dadurch um ein Jahr verzögern könnte, teilen sie nicht. Für die Hauptveranstaltung würde lediglich ein Wochenende benötigt, die dort getroffenen Vereinbarungen wären verbindlich. Als Vorbild wird das Konsensverfahren zum Wiener Platz genannt.

Diskussionen bei den Grünen

Auch die Grünen diskutieren. Während sich die Bezirksausschuss-Fraktion dem Bürgervotum anschließt, ist die Meinung in der Stadtratsfraktion geteilt. Bei der Sitzung des OV Au-Haidhausen im Juni 2003 verteidigt Jurymitglied Sabine Krieger ihre Entscheidung für den Entwurf „Burkhardt“, der ihrer Meinung nach besser in das Stadtzentrum passt, insgesamt urbaner sei. Und mit der Bademöglichkeit im Nebenarm gerade für Familien einen höheren Freizeit- und Erholungswert biete. Die Flussinseln müssten nicht zwingend aus Beton, sondern könnten auch aus Naturstein gestaltet werden. Der Entwurf „Jerney“ verwende zudem ebensoviel Beton zur Ufersicherung und sehe lediglich an der Oberfläche natürlich aus.

Die Grüne Jugend München fordert die Grüne Stadtratsfraktion Anfang Juli auf, für die Umsetzung des Entwurfs „Jerney“ einzutreten (Pressemitteilung). Im Grünen Stadtforum wird das Thema erstmals im Juli diskutiert. Dort beschließt man, vor einer Entscheidung die Überarbeitung der Entwürfe abzuwarten.

Juni 2003: Weiter beide Entwürfe im Rennen

Die Stadtspitze reagiert: Sowohl der Gewinner des ersten Preises („Burkhardt“) als auch der von den Bürgern bevorzugte Entwurf „Jerney“ (2. Preis) sollen vertiefend überarbeitet und dem Stadtrat im Anschluss an die Sommerpause 2003 zur Entscheidung vorgelegt werden.

Von den beiden Planungsbüros werden nähere Informationen gefordert, insbesondere zu:

- Sicherung der Inseln, Brücken, Deiche

- Fällungen von Bäumen, Rodungen

- Gewährleistung der Verkehrssicherheit, insbesondere vor Ertrinken

- Erhalt der Hochwasserwiesen

- hydraulische Berechungen der Abflussverhältnisse bei unterschiedlichen Fließsituationen

- detaillierte Pläne

- Kostenermittlung

Stadtrat: SPD - Grüne

Die SPD-Fraktion im Münchner Stadtrat nimmt die Jury-Entscheidung mit Skepsis auf und spricht sich für einen natürlichen Flussverlauf in der Innenstadt aus. Der Entwurf "Jerney" wird bevorzugt, gleichzeitig wird gefordert, die genauen Kosten zu ermitteln (SPD-Pressemitteilung vom 3. Juni 2003).

 

Die Grüne Stadtratsfraktion steht weiterhin zur Jury-Entscheidung. Dass diese von der SPD in Frage gestellt wird, bezeichnet die damalige Fraktionsvorsitzende Sabine Krieger als "undemokratisch" (Pressemitteilung vom 6. Juni 2003).

Bürgerversammlung Juni 2003

Nach der Bekanntgabe der Jury-Entscheidung regt sich im Bezirksausschuss und bei den Anwohnern Widerspruch. Im Rahmen einer mit ca. 160 Anwesenden überfüllten, turbulent verlaufenden Bürgerversammlung der betroffenen Stadtbezirke prallen die gegensätzlichen Meinungen aufeinander. Wobei die Bürger sich wie schon der Bezirksausschuss deutlich für eine Umsetzung des Entwurfs „Jerney“ aussprechen. Hauptkritikpunkte am Entwurf „Burkhardt“ sind:

- ein vergleichsweise höherer Anteil der Hochwasserwiesen fiele weg;

- die wenig naturnahe Gestaltung im Bereich zwischen Wittelsbacher- und Reichenbachbrücke mit geraden, aus Betonbauteilen gestalteten Flussinseln, deren Verkehrssicherheit zudem von Adelheid Dietz-Will bezweifelt wird;

- der Bestand alter Weiden in diesem Bereich fällt dem Entwurf zum Opfer. Bei „Jerney“ blieben die Bäume auf einer Weideninsel erhalten;

- die kalkulierten höheren Kosten für den Entwurf „Burkhardt“ (Euro 6,2 Mio. im Vergleich zu Euro 5,6 Mio. für den Entwurf „Jerney“).

Frau Burkhardt führt auf der Bürgerversammlung an, dass das Baden im ca. 50 cm tiefen Nebengewässer, das in ihrem Entwurf durch die Flussinseln abgetrennt wird, gefahrlos möglich sei.

Tilmann Zinsser vom Wasserwirtschaftsamt bestätigt, dass beide Entwürfe den Hochwasserschutz für ein angenommenes Hochwasser mit 1100 Kubikmeter/Sek. Durchfluss einhalten.

Baureferent Haffner stellt den Freizeitwert des Entwurfs „Burkhardt“ heraus und betont, dass der Bauabschnitt bis zur Bundesgartenschau 2005 fertig gestellt sein soll.

Die Bürger stimmen über verschiedene Anträge ab und fordern unter anderem:

- Umsetzung des Entwurfs „Jerney“

- weitestgehenden Erhalt der Hochwasserwiesen, sie sollen keinesfalls um mehr als 20 Prozent reduziert werden

- Erhalt des alten Baumbestands

- einen hydraulischen Modellversuch

- Schutz der Anwohner vor Grillfesten

 

Wettbewerb

Betoninseln á la Burkhardt

Für den Bauabschnitt III des Isarplans von der Braunauer Eisenbahnbrücke bis zum Deutschen Museum laden das Land Bayern und die Stadt München im November 2002 sieben Planungsbüros zu einem Gestaltungswettbewerb ein. Im April 2003 vergibt die Preisjury den 1. Preis an den Entwurf "Burkhardt", der zwischen Wittelsbacher- und Reichenbachbrücke mit Hilfe von Betoninseln einen kleinen Kanal von der Isar abtrennt und zwischen Reichenbach- und Corneliusbrücke Kleine Isar und Streichwehr nahezu unverändert belässt. Ausschlaggebend für die Jury ist der "besonders gut entwickelte Übergang vom Landschaftsraum zum Stadtraum" und die "Erholungslandschaft mit Wasserflächen, die auch für Familien gut nutzbar sind."

 

Der 2. Preis geht an den Entwurf "Jerney", der zwischen Wittelsbacher- und Reichenbachbrücke einen natürlich anmutenden neuen Isar-Nebenarm vorsieht und den Übergang von der Großen in die Kleine Isar oberhalb der Reichenbachbrücke neu gestalten will: Das Streichwehr soll durch ein Insel-Delta ersetzt werden. Die Fachjury: "Der Übergang von der Großen zur Kleinen Isar wird sowohl in wasserbaulicher als auch in gestalterischer Hinsicht sehr positiv bewertet. Der Entwurf ist sehr wirtschaftlich und gut realisierbar."

 

Laut Ausschreibungstext muss der Gewinner des 1. Preises mit der Durchführung beauftragt werden. Für Bündnis90/Die Grünen in der Fachjury: Umweltreferent Joachim Lorenz und Stadträtin Sabine Krieger.

Sonntag, 24. Februar 2019
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