Ein Spaziergang über die Baustelle der Stadtautobahn
Wo gehobelt wird, da fallen Späne, und das gilt auch für Großbaustellen wie die am Mittleren Ring. Wir starten und beenden unseren kleinen Rundgang an der S-Bahn-Haltestelle "Leuchtenbergring". Wir werden dabei interessantes, ärgerliches und überflüssiges sehen.
Eingang der S-Bahn-Haltestelle
Die einen nennen so etwas Großstadtromantik, die anderen Angstraum. Auf jeden Fall fehlen Fahradabstellplätze, die Barren zwischen Gehweg und Radweg sind sinnvoll, aber viel zu wenige. Auch wollen die meisten Leute dahin zurückfahren, woher sie gekommen sind, nämlich zur Arbeit oder zur Wohnung. Das geht aber nicht, da es sich hier um Einbahn-Radwege handelt.
Für Behinderte ist in keiner Weise gesorgt.
Es ist schon seit langem geplant, diese Unterführung durch eine Brücke zu ergänzen, die dann auch einen besseren Zugang zur Telekom und der Grillparzer Straße ermöglichen würde. Hoffentlich wird das im Zusammenhang mit der Neubebauung an der Westseite auch stattfinden.
Bushaltestelle neben der Baustelle
Links sieht man den Stau, rechts die Oberkante des zukünftigen Tunnels, in der Mitte eine Bushaltestelle. Werktags morgens warten da natürlich Leute auf Ihren Bus, und es wird eng.
Die Breite ist hier 170 cm, das wäre auch ohne Bushaltestelle zuwenig, insbesondere weil hier auch viele S-Bahn-Fahrgäste durchwollen.
In Zukunft wird wieder rechts ein ganz normaler Radweg verlaufen. Ob der aber Anschluß an die oben erwähnte Brücke zur S-Bahn und den Telekom-Gebäuden oder gar die Orleansstraße und den Ostbahnhof erhält, ist noch nicht geklärt. Nötig wäre das schon.
Armierungen
Die mächtigen Stahlarmierungen der Seitenwand. Wir besichtigen hier eine Großbaustelle!
Engstelle an der Kreuzung
Ausgerechnet am Fußgängerübergang, wo normalerweise die Leute warten, die zum Stahlgruber-Center queren wollen, befindet sich eine extreme Verengung. Die Breite ist hier nur 140 cm, das wäre sogar für einen reinen Radweg zu wenig.
Warum diese Engstelle eingerichtet wurde, ist nicht klar, denn, wie auf dem Foto deutlich sichtbar, wird der benachbarte Bereich in der Baustelle als Schuttabladeplatz genutzt.
Zwischen Einsteinstraße und Prinzregentenstraße
Hier beträgt die Breite 160 cm, nötig wären 250 cm. Dazu kommen Tiefgaragenausfahrten, schwer einsehbare Hauseingänge und ein Supermarkt. Nun kann man den nötigen Platz nicht einfach herbeiwünschen. Es fragt sich jedoch, warum angesichts der objektiven Gefährlichkeit dieser Situation nicht Tempo 30 angeordnet wird? Für die Kreuzung mit der Einsteinstraße war das ja auch möglich.
Auch hätte man ein Absperrgitter oder zumindest eine Planke wie weiter südlich vorsehen können.
Querung des Leuchtenbergrings vor dem Supermarkt
Eigentlich ist das ja eine ganz normale Kreuzung mit einer Ampel und einem Fußgängerüberweg.
Jedoch sind die die Absperrgitter und Betonblöcke so willkürlich verteilt, daß es regelmäßig eng wird.
Ein Radweg ist hier nicht erkennbar, laut Beschilderung ist aber einer vorhanden.
Kreuzung Prinzregentenstraße/Richard-Strauß-Ring
Dies ist wohl die gefährlichste Stelle. Komplett uneinsehbar, mit dem Fußgängerverkehr der Prinzregentenstraße und der Richard-Strauß-Straße und dem Radverkehr. Die Breite beträgt 150 cm, das ist das Mindestmaß für reine Radwege.
Die grauen Flecken sind provisorische Reparaturen; veilleicht ist schon mal ein Lastwagen aufgefahren.
Wieder keine Absperrungen oder Planken, wieder kein Tempo 30.
Steg an der Westseite des Leuchtenbergrings
Hier sieht man, wie nah der Tunnel an die Gebäude herangebaut wird. Sicherlich ist das hier eine beachtliche Leistung der Baufirma, aber für die Bewohner des Hauses ist das eine Katastrophe. Die rechte Seitenwand des Tunnels wurde mit Bohrpfählen hergestellt, die direkt vor dem Haus in den Boden gebohrt wurden.
Die Tunneldecke erhält gerade eine Teerschicht, damit sie absolut wasserdicht wird. Unter dem Deckel gibt es noch gar keinen Tunnel, der wird erst ausgegraben, wenn der Deckel fertig ist.
Das Loch in der Einsteinstraße
Natürlich müssen gelegentlich mal Leitungen verlegt werden. Auch ist es sinnvoll, die Leitungen unter dem Gehweg zu verlegen. Hier hat man dennoch etwas übertrieben:
Der drei Gehwegplatten schmale Streifen links ist ein gemeinsam genutzter Geh- und Radweg, die Angabe von vorgeschriebenen und tatsächlichen Breiten erübrigt sich hier. Das eigentliche Ärgernis hier ist, dass das Herbstlaub und der Müll in der Grube deutlich zeigen, daß hier schon lange nicht mehr gearbeitet wird.
Sollte man nicht eine solche Grube zügig wieder schließen, oder zumindest mit einer Stahlplatte abdecken, wenn es gerade nicht anders geht?
Rampe Richtung Süden
Wir haben die Baustelle hinter uns gelassen und besuchen nun die Rampe zur Berg-am-Laim-Straße. Der gemeinsame Geh- und Radweg ist um 20-50 cm zu schmal, was angesichts des geringen Verkehrsaufkommens vielleicht nicht so schlimm ist. Es stellt sich aber eine Frage: Wenn eine Unterschreitung der Mindestbreite für den gemeinsamen Geh- und Radweg nur möglich ist, wenn kein Platz da ist, warum ist dann Platz für zwei bis drei Abbiegespuren?
Rampe Richtung Norden
An der Berg-am-Laim-Straße drehen wir um. Der Radweg in Richtung Norden ist auf die Straße aufgemalt. Das ist im Prinzip sinnvoll, aber auch an dieser Stelle? Jedenfalls beträgt die Breite dieser Spur nur 110 cm, das ist weit jenseits von Gut und Böse.
Interessant ist diesem Zusammenhang auch, daß in der Balanstraße ein ähnlicher Schutzsstreifen mit der Begründung abgelehnt wurde, man könne den Streifen nur 140 cm breit anlegen.
Wenn es also schon Sicherheitsbedenken gegen so schmale Schutzsstreifen gibt, warum begrenzt man nicht die Geschwindigkeit auf Tempo 30?
Branntweinmonopolverwaltung
Die Branntweinmonopol- verwaltung versperrt derzeitig den Weg zwischen dem Telekom-Gelände und Berg am Laim.
Außerdem ist die Brannt- weinmonopolverwaltung ein Andenken an das Jahr 1919, in dem unter anderen die Münchner Räterepublik entstand und zwischen Mainz und Koblenz ein "Freistaat Flaschenhals". Brauchen wir das wirklich noch?
Verfallender Radweg
In der Verlängerung des zu schmalen Schutzstreifens folgt kurz vor der S-Bahn-Haltestelle ein zu schmaler Radweg mit ebenfalls nur 110 cm Breite. Hier fordert Mutter Natur ihr Recht, in ein paar Jahren wird sich hier wieder eine Wiese befinden, wenn nicht doch noch das Baureferat sich dieses Weges erbarmt.
Epilog
Wir sind am Ende unseres kleines Rundweges angekommen. Es wurde mit Kritik nicht gespart. Vieles ist der allgemein, auch vom Bezirksausschuss, gewünschten zügigen Bauausführung geschuldet, vieles auch der Nachlässigkeit.
Warum wird hier Klage geführt und nicht einfach verbessert? Es handelt sich hier um ein "laufendes Geschäft der Verwaltung" und der Bezirksausschuss hat wenig oder gar nichts mitzureden. Auf die schlimmsten Stellen wurde die Stadtverwaltung jedoch schon vor längerem hingewiesen.
Wie geht's weiter? Bis mindestens 2010 ist hier noch Baustelle. Vieles, z.B. der 110 cm breite "Schutzstreifen" wird auch nach Ende der Baustelle weiterbestehen. Hier muß man geduldig schieben und drücken. Vielleicht wollen Sie, geneigter Leser, vielleicht mal einen Antrag auf einer Bürgerversammlung stellen?







